Marktbericht 3. Quartal 2012

Europas Werte im Bewusstsein seiner Bürger

Frankfurt am Main, den 9. Oktober 2012 - Wie erwartet, hat das Bundesverfassungsgericht den ESM grundsätzlich als verfassungskonform bestätigt und die maximale Haftungssumme der Bundesrepublik Deutschland bzw. die unbedingte Einbindung des Bundestages in eine Ausweitung dieser Summe als wesentlichen Eckpfeiler herausgestellt. Damit fiel der letzte Unsicherheitsfaktor zur Einrichtung des ESM und inzwischen wurde der ESM in allen Euro-Ländern ratifiziert. Die Kapitalmärkte hatten am Ende mit dieser Entscheidung gerechnet. Auch die Entscheidungen von EZB und amerikanischer FED zur weiteren Bereitstellung neuer Liquidität haben die Märkte – zumindest vorübergehend – beruhigt und zu neuen Jahreshöchstständen geführt.

Neben den Entwicklungen der Kapitalmärkte beschäftigt uns weiterhin auch die gesellschaftliche Entwicklung Europas. Und auch wenn wir an dieser Stelle keine Antworten geben können, möchten wir versuchen, die Diskussion mit weiteren Denkanstößen zu begleiten.

Die Krise findet ihren Ausdruck sehr sichtbar auf den Straßen Europas, wo neue Sparmaßnahmen in Spanien, Portugal, Griechenland und Frankreich zu Streiks, massiven Demonstrationen und teilweise leider auch gewaltsamen Auseinandersetzungen geführt haben. Was kann daraus noch entstehen, wie kann man einer Eskalation entgegenwirken?

Die Krise zeigt sich auch in den politischen Diskussionen, in der Literatur und den Medien. So sagte zum Beispiel Bundespräsident Joachim Gauck am vergangenen Sonntag im Deutschlandfunk: „Und dann bringt dieses Europa auch noch etwas ein, was das westliche Europa dringend braucht, nämlich die tiefe Überzeugung, dass Freiheit und Rechtsstaatlichkeit so hohe Werte sind, dass sie weit über den Sorgen steht, ob wir genügend Geld verdienen, ob die Prosperität und die finanzielle Sicherheit gewährt ist. Wer einmal alles verloren hat, was die Menschenwürde garantiert, die Freiheit, die Demokratie, übrigens auch den Wohlstand - und das ganz nebenbei - und Rechtssicherheit, wer all das verloren hat, der weiß, dass Europa mehr ist als nur eine Finanzunion und eine Währungsunion und ein materielles Glücksversprechen.“ Ein sehr bemerkenswerter Satz: „Europa ist mehr als nur ein materielles Glücksversprechen.“ Gibt es überhaupt ein rein materielles Glück?

Europa, das sind vor allem die gemeinsamen Werte, die die Grundlage unseres freiheitlichen Lebens bilden. In der Präambel der Charta der Grundrechte der Europäischen Union steht: „Die Völker Europas sind entschlossen, auf der Grundlage gemeinsamer Werte eine friedliche Zukunft zu teilen, indem sie sich zu einer immer engeren Union verbinden. In dem Bewusstsein ihres geistig-religiösen und sittlichen Erbes gründet sich die Union auf die unteilbaren und universellen Werte der Würde des Menschen, der Freiheit, der Gleichheit und der Solidarität. Sie beruht auf den Grundsätzen der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit. Sie stellt den Menschen in den Mittelpunkt ihres Handelns, indem sie die Unionsbürgerschaft und einen Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts begründet.“ Wie bewusst sind uns diese Werte? Wie selbstverständlich ist uns Westeuropäern ein freiheitliches Leben auf Basis dieser Werte schon geworden? Freiheit und Demokratie sind nirgendwo so ausgeprägt wie in Europa, nicht in Amerika, China, Indien oder Afrika. Wie machen wir dies der nachfolgenden Generation klar, die die Belastungen der Ausschweifungen, die zur Eurokrise geführt haben, lange werden tragen müssen?

Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur den Nationalsozialismus und den Schrecken des Holocaust überwunden, sondern auch die Diktaturen in anderen Ländern wie Spanien, Portugal und Griechenland. Zuletzt wurde Freiheit wahr im Fall der Mauer und im Aufbruch zur Demokratie in den früheren kommunistischen Ostblockländern. Wer würde die deutsche Einheit, die sich in dieser Woche zum 22. Mal jährte, rückgängig machen wollen? War es falsch, auch und insbesondere die finanziellen Belastungen der Wiedervereinigung zu tragen, um dafür 18 Millionen Deutschen ein Leben in Freiheit und Rechtsstaatlichkeit zu ermöglichen? Ganz nebenbei: Die europäische Union hat die Wiedervereinigung und damit die erhebliche Erweiterung und finanzielle Belastung der EU ohne besondere „Beitrittsverhandlungen“ akzeptiert. Was sagt das über die Tragfähigkeit des europäischen Werteverständnisses aus?

Wo wollen wir hin als Gesellschaft, als Staat, als Staatenbund, als Europäer? Was können wir tun, um gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen? Welche Bedeutung hat die Krise für den Teil der Gesellschaft, der in finanziellem Wohlstand lebt? Wie groß ist das Bewusstsein für die aus diesen Werten resultierende Verantwortung eines jeden Europäers in Nord und Süd für sich selbst und für Europa? Und so bleibt unverändert die Frage, warum die Politik uns und insbesondere der Jugend Europas nicht besser und aktiver erklärt, weshalb wir das ökonomische Denken mitunter dem politischen Denken unterordnen müssen. Und es bleibt die Aufforderung für einen Jeden, sich nicht zu schnell dem Mainstream hinzugeben, sondern objektiv zu bleiben, sich mit diesen Fragen auseinander zu setzen und aktiv an der Diskussion zu teilzunehmen. Wir jedenfalls freuen uns darauf, mit Ihnen auch hierüber zu sprechen.

Als Ihr Trusted Asset Advisor bestätigt uns die derzeitige Lage in der Politik und an den Kapitalmärkten in der unverändert konsequenten Ausrichtung auf substanzstarke Investments. Mit der richtigen Mischung kann das Vermögen im Falle des europäischen Scheiterns vor langfristig zu großen Verlusten geschützt werden und gleichzeitig prosperieren, falls das europäische Krisenmanagement gelingt. Welche weiteren Schlüsse wir aus diesen Überlegungen ziehen, kann unserem Marktbericht zum 3. Quartal 2012 entnommen werden, der zum privaten Gebrauch frei heruntergeladen werden kann.

Es würde uns freuen, das Gespräch über Europas Werte persönlich mit Ihnen fortzuführen und uns mit Ihnen über die langfristigen Auswirkungen der Eurokrise auf Ihre persönliche Anlagestrategie und derzeitige Vermögenssituation austauschen. Für eine Terminvereinbarung und auch jedwede anderen Fragen stehen wir Ihnen daher jederzeit gerne zur Verfügung und freuen uns auf den Austausch mit Ihnen!

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