s

Marktbericht 2. Quartal 2013

„Das Anspruchsdenken der Europäer”

Frankfurt, den 8. Juli 2013 - Spätestens im Juni konnten wir alle mit einem kurzen Blick auf die Börsen sehen, dass die Finanzkrise noch lange nicht vorbei ist. Es reichte ein einziges Statement des US-Notenbankchefs Ben Bernanke, um mit der Ankündigung der möglichen Reduzierung des Kaufprogramms von US-Staatsanleihen eine Talfahrt in allen Anlageklassen auszulösen. Die Tatsache, dass erhebliche Kursverluste sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen und Rohstoffen folgten, zeigt, wie unverändert nervös die Märkte sind, wie fragil die Kurserholungen der vorangegangenen Monate waren und wie ungelöst noch immer die Mehrzahl der Probleme ist.

Auch die Entwicklungen in der Türkei haben uns in den vergangenen Wochen sehr beschäftigt. Es ist zunächst einmal spannend gewesen zu sehen, wie die Menschen teilhaben wollen an aktuellen Entscheidungen und sich insbesondere bei der Jugend (in ganz Europa) ein neues Demokratie-verständnis entwickelt. Involviert sein, gefragt werden, Entscheidungsprozesse begleiten und mitgestalten, dies sind Erwartungen, die zeigen, wie tief das gemeinsame Werteverständnis innerhalb Europas inzwischen geht.

Das Verhalten der türkischen Regierung zeigt leider ein ganz anderes Werteverständnis. Sie hat die Demonstranten stattdessen zunächst verhöhnt und verlacht, um sie dann mit massiver Gewalt zu vertreiben und zu unterdrücken.

Die Europäische Union muss nun ebenfalls zeigen, wie bewusst und wie wichtig ihr das gemeinsame Werteverständnis ist. Mit den laufenden Verhandlungen über einen EU-Beitritt hat die EU ein Werkzeug in der Hand, doch ist es schwierig, dieses Werkzeug richtig einzusetzen. Ein Verhandlungsstopp wäre sicher ein klares Signal an die türkische Regierung gewesen, doch in Anbetracht des Stolzes der Regierung ist ein Einlenken kaum zu erwarten. Damit würde man möglicherweise den Weg, den die türkische Bevölkerung eingeschlagen hat, zusätzlich behindern, zumindest nicht aktiv unterstützen können. Und so wäre es gut, im Rahmen der Verhandlungen den Druck zu erhöhen, Themen anzusprechen und Zusagen einzufordern. Wichtig dabei ist aber, sich nicht von materiellen oder wirtschaftlichen Vorteilen leiten zu lassen. Ob dem so ist, ist im Moment nicht klar, und so ist auch für die EU der weitere Umgang mit der Türkei ein Test ihres eigenen Werteverständnisses.

Diese EU ist am 1. Juli um ein weiteres Mitglied gewachsen, Kroatien ist nun auch Mitglied der Europäischen Union. Das Land ist seit dem jugoslawischen Bürgerkrieg schon einen weiten Weg gegangen, doch ist es noch immer ein Land, in dem Korruption Alltag ist und die Staatsfinanzen angespannt sind. In Anbetracht der Größe Kroatiens ist diese zusätzliche Belastung für die EU als Ganzes zu schultern. Dagegen wiegen sicherlich das Wertebewusstsein und die Anerkennung der Demokratisierung des Landes schwerer.

Die Lösung für die Probleme Europas liegt möglicherweise ganz woanders, nämlich im Verhalten und Anspruchsdenken eines jeden Einzelnen. Hierzu hat Thomas Mayer, der ehemalige Chefvolkswirt der Deutsche Bank AG, am vergangenen Sonntag einen sehr interessanten Beitrag in der FAZ am Sonntag geschrieben. In seiner Kolumne „Wie geht es der Weltwirtschaft, Herr Mayer?“ macht er deutlich, dass das Anspruchsdenken der Menschen in Europa und die Erwartung von Leistungen, die über dem liegen, was die Bürger einbringen, jegliches Bemühen zur Sanierung der Staatsfinanzen konterkarieren. Dieses Missverständnis ist in den vergangenen Jahren politisch gefördert worden, und so fühlen sich viele Bürger nahezu aufgefordert, mehr aus dem Wohlfahrtsstaat herauszuholen als sie selbst beitragen. Aber solange dieser Plünderung nicht Einhalt geboten wird und der aufgeklärte Bürger die Budgetgrenzen seines Gemeinwesens nicht respektiert, wird die notwendige Sanierung der Staatsfinanzen nicht gelingen. Diese Einschätzung Herrn Mayers ist nicht von der Hand zu weisen, und es wäre gut, wenn auch unsere Politiker den Mut hätten, solche Wahrheiten auszusprechen. Die vollständige Kolumne finden Sie im Internet unter www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mayers-weltwirtschaft.

Welche Schlüsse wir aus den Entwicklungen der vergangenen Wochen an den Kapitalmärkten gezogen haben und was wir für die kommenden Monate erwarten, erfahren Sie in unserem Marktbericht zum 2. Quartal 2013, der zum privaten Gebrauch frei heruntergeladen werden kann.

Es würde uns freuen, das Gespräch über die derzeitige Marktlage persönlich mit Ihnen fortzuführen und uns mit Ihnen über Ihre persönliche Anlagestrategie und derzeitige Vermögenssituation auszutauschen. Für eine Terminvereinbarung und weitere Fragen stehen wir Ihnen daher jederzeit gerne zur Verfügung.

Runte, Stadtmüller & Mönkediek GmbH
Ihre Trusted Asset Advisors

Kontakt

Runte, Stadtmüller & Mönkediek GmbH
Trusted Asset Advisors
Stefan Mönkediek
Telefon +49 69 153 92 61 36
Mobil +49 177 822 42 33
stefan.moenkediek@providens.de

© 2013. Alle Rechte vorbehalten. Dieser Marktbericht dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Vermögensgegenständen dar. Die zur Verfügung gestellten Informationen bedeuten keine Empfehlung oder Beratung. Im Marktkommentar zum Ausdruck gebrachte Meinungen können sich ohne vorherige Ankündigung ändern. Angaben zu historischen Wertentwicklungen erlauben keine Rückschlüsse auf Wertentwicklungen in der Zukunft. Der Verfasser oder dessen Gesellschaft übernimmt keinerlei Haftung für die Verwendung dieses Marktkommentars oder deren Inhalt. Änderungen des Marktkommentars oder deren Inhalt bedürfen der ausdrücklichen Erlaubnis des Verfassers oder der Gesellschaft.