Marktbericht 1. Quartal 2021

„Der Wert des Vertrauens“

Frankfurt am Main, den 8. April 2021 – Seit mehr als einem Jahr bestimmt die Corona-Pandemie unseren Alltag, von flächendeckenden Lockdowns, weitreichenden Gesundheitsmaßnahmen und gelebter Solidarität über Öffnungs-Hoffnungen und Modellversuchen bis hin zu Verschwörungstheorien, Politikverdrossenheit und Misstrauen. Auf die tiefe Rezession der Weltwirtschaft reagierten Regierungen und Zentralbanken mit massiven Rettungspaketen. Infolgedessen wurde und wird die Geldmenge stark ausgeweitet, was in der Vergangenheit als verlässlicher Frühindikator für eine steigende Inflationsrate betrachtet wurde.

Wie schon nach der Finanzkrise 2008/2009 werden jetzt erneut Stimmen laut, die einen drastischen Anstieg der Inflation in Industrie- und Schwellenländern befürchten. Rückblickend haben sich derartige Bedenken nach der Finanzkrise jedoch nicht bestätigt. Gleichwohl lässt sich die damalige Krisensituation nur schwer auf die jetzige übertragen – am Ende ist jede Krise doch anders als die vorherige.

Die Angst vor Inflation ist in Deutschland tief verwurzelt und das, obwohl sich die Inflationsrate seit Mitte der 1990er-Jahren auf einem moderaten Niveau bewegt. In der Spitze betrug sie in dieser Zeit 2,6 Prozent – lag somit nur knapp über dem Inflationsziel der EZB. Woher kommen also diese Sorgen und Ängste? Ein Blick in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bringt Klarheit: Um ihren Zahlungsverpflichtungen aus der Kriegsfinanzierung und den Reparationsforderungen nachzukommen, brachte die deutsche Reichsregierung zunehmend Geld in Umlauf. Die Unternehmen kamen jedoch mit der Produktion von Gütern nicht hinterher, was zu einem explosionsartigen Anstieg der Preise führte. In der Konsequenz wurden die Ersparnisse zahlreicher Bürger entwertet. Die sogenannte Hyperinflation konnte erst durch die Währungsreform im Jahr 1923 beendet werden. Dieses historische Ereignis führte zu einem enormen Vertrauensverlust in die Wertstabilität des Geldes, was die Deutschen bis heute für die Gefahr der Inflation sensibilisiert hat.

Ist die Angst vor Inflation aber begründet? Angst führt dazu, Dinge überwiegend negativ wahrzunehmen, Daten und Fakten eher auszublenden, erst recht, wenn sie komplex sind. Statt Angst braucht es einen gesunden Respekt vor den Dingen. Angst hat man vor den Folgen und lähmt das Denken im Tun. Der Respekt lässt einen gut abwägen, wohin welches Tun führt und wie man seine Werkzeuge achtsam einsetzt. Die niedrigen Leitzinsen und der Einsatz neuer geldpolitischer Instrumente haben den Euroraum in der Finanzkrise 2008/2009 bewahrt und Bedingungen geschaffen, die Wachstum fördern. Wir wissen nicht, wohin sich Euro und Europa ohne diese Aktivitäten entwickelt hätten. Es ist aber anzunehmen, dass das Wachstum ohne diese Maßnahmen geringer ausgefallen, die Arbeitslosigkeit höher und möglicherweise eine Deflation eingetreten wäre. Die Notenbanken haben global gedacht, gemeinsam agiert und erkennbar aus den Entwicklungen der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts gelernt. Die aktuelle Wirtschaftslage bleibt eine Herausforderung, jedoch verfolgen die Zentralbanken das primäre Ziel der Preisstabilität und haben dafür einen enormen Handlungsspielraum zur Verfügung. Entscheidend ist am Ende, ob die Menschen, die im Wirtschaftsleben stehen, an die künftige Wertstabilität des Geldes glauben und den Entscheidungen der Zentralbanken vertrauen. Denn ein Vertrauensverlust könnte dann genau jene Inflation erzeugen, welche aktuell befürchtet wird.

Wir haben den Eindruck, dass Politik und Notenbanken sehr wohl mit gesundem Respekt mit den zur Verfügung stehenden Instrumenten umgehen, und dies sollte uns ermutigen, auch selbst mit Geduld, Zuversicht und Vertrauen, ohne Angst, aber mit Respekt in die Zukunft zu schauen.

Gerne möchten wir Ihre Eindrücke über dieses Thema erfahren und stehen Ihnen wie immer sehr gerne für einen Austausch oder eine Diskussion zur Verfügung.

Warum uns die aktuellen Diskussionen über einen Anstieg der Inflationsrate verfrüht erscheinen und zu welchen weiteren Schlussfolgerungen wir aktuell kommen, erläutern wir in unserem Kapitalmarktbericht zum 1. Quartal 2021.

Mit herzlichen Grüßen

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