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Marktbericht 1. Quartal 2013

„Ein Bauplan für Europa?”

Frankfurt am Main, den 8. April 2013 - In den vergangenen Wochen konnten wir alle wieder einmal deutlich erleben, dass die Euro- und Finanzkrise noch lange nicht vorbei ist. Erstmals traf es nun auch Anleger großer Banken in der Eurozone, die teilweise erhebliche Verluste auf ihre Einlagen hinnehmen müssen. Zu einem gewissen Grade ist dies auch gut und richtig. Ein höherer Zins spiegelt immer auch ein höheres Risiko wider, und so ist es den vielen Steuerzahlern in der Eurozone nur schwer zu vermitteln, warum sie selbst auf ihre Spar- und Festgeldkonten nur geringe Zinsen bekommen, während andere Zinsen von über 4% erhalten, bei Problemen dann aber doch die Gemeinschaft die Einlagen auch dieser Anleger vollständig schützt. Das passt nicht zusammen, und so manche Bank und manches Land hat zu lange schon auf der Basis dieser falsch interpretierten Solidarität gewirtschaftet.

Solidarität gilt für die Starken wie die Schwachen. Die Starken müssen die Schwachen unterstützen, die Schwachen mit dieser Unterstützung aber auch sorgsam und verantwortungsbewusst umgehen. Es wird immer klarer, dass insbesondere dieser Wert innerhalb der Europäischen Union in den vergangenen Jahren zu einseitig betrachtet wurde.

Die polarisierende Lösung der akuten Finanzprobleme Zyperns zeigte dies deutlich. Und sie zeigte, wie diffus noch immer und weiterhin die Lage in Europa ist – sowohl in der Politik als auch in der Bevölkerung. Wir sahen Schuldzuweisungen in alle Richtungen, Vorwürfe mangelnder Solidarität und lautstarke Proteste und Diffamierungen.

Diesen Eindruck bestätigt eine Analyse, die SPIEGEL ONLINE vor wenigen Wochen unter dem Titel „Merkels Bauplan für Europa” veröffentlichte. Danach basiert die Politik der Bundeskanzlerin auf einer Analyse ihres Stabes vom Sommer 2011, in dem Europas Krise auf eine Art Koordinatensystem reduziert wurde: Auf der Querachse links finden sich die Mitgliedsstaaten, rechts die Institutionen der EU. Auf der Hochachse wurden in der oberen Hälfte die Themen ohne Probleme abgetragen, in der unteren Hälfte die Probleme. Und es entstand ein Bild, in dem die meisten Themen entweder oben rechts oder unten links zu finden waren:

Oben rechts, also relativ problemfrei und im Verantwortungsbereich der europäischen Institutionen, fanden sich Themen wie der Binnenmarkt, die Justiz, die Umwelt, der Wettbewerb. Diese bereits „vergemeinschafteten” Themen waren nicht Teil der aktuellen Krise. Unten links, also problematisch und im Verantwortungsbereich der einzelnen Mitgliedsstaaten, fanden sich hingegen die Krisenfelder wieder, Themen wie Haushalt, Steuern, Sozialsysteme, Arbeitsrecht.

Das Ergebnis dieser Analyse ist simpel: Wenn man die Auslöser der Krisen unter den Nationalstaaten nicht in den Griff bekommt, dann ist auch die Währungskrise nicht zu lösen.

Entweder müssen mehr Themen in die Verantwortung der EU-Organe – mit entsprechenden Hoheitsverlusten der einzelnen Staaten – oder die Themen müssen durch ein neues System, eine Art Union neben der Union im Sinne eines Konglomerats der Nationalstaaten auf die obere Hälfte der Achse gebracht werden.

Frau Merkel sah aber auch, dass die Bürger keine Unterstützung für weitere Machtverlagerungen nach Brüssel zeigen werden. Die immer wiederkehrenden Proteste gegen die EU, die Diffamierung der „starken” EU-Länder bei Demonstrationen in den Südländern bei gleichzeitig wachsender Anti-EU-Stimmung im eigenen Land bestätigen diesen Eindruck. Darüber hinaus sind die Steuer- und Sozial-systeme sehr unterschiedlich, das Risiko von Neuverhandlungen der EU-Verträge ist sehr groß und wird viel Zeit in Anspruch nehmen. Daher hat sich die Kanzlerin, so die Einschätzung des SPIEGEL, für die zweite Alternative entschieden. Und so geht sie nun seit Sommer 2011 Schritt für Schritt nach diesem Plan vor, immer nach der Devise: „Erst schauen, was geht, nicht vorher schon festlegen.” Und da die Wähler auf zu viele Informationen eher skeptisch reagieren, macht sie ihren Plan nicht öffentlich und konzentriert sich in der öffentlichkeit darauf, Zuversicht zu verbreiten und Kontinuität zu zeigen.

Europa steht vor großen Veränderungen, und keiner kann vorhersehen, für wen dieses Projekt gut ausgehen wird. Die kommenden Monate und Jahre werden zeigen, ob die Analyse des Bundeskanzleramtes stimmt und der daraus folgende „Bauplan” Angela Merkels eine langfristig stabile Architektur bietet, auf deren Basis Europa seine Werte und Freiheiten, seine Chancen und Möglichkeiten stärken kann und uns allen eine gute Zukunft sichert.

Welche Schlüsse wir aus den Entwicklungen der vergangenen Wochen an den Kapitalmärkten gezogen haben und was wir für die kommenden Monate erwarten, erfahren Sie in unserem Marktbericht zum 1. Quartal 2013, der zum privaten Gebrauch frei heruntergeladen werden kann.

Es würde uns freuen, das Gespräch über die derzeitige Marktlage persönlich mit Ihnen fortzuführen und uns mit Ihnen über Ihre persönliche Anlagestrategie und derzeitige Vermögenssituation auszutauschen. Für eine Terminvereinbarung und weitere Fragen stehen wir Ihnen daher jederzeit gerne zur Verfügung.

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